Zeit für mich - Zeit für Gott

Impulse von Propst Stefan Notz

5. Sonntag im Jahreskreis

Als sich kürzlich in Norddeutschland ein ungewöhnlich starker Wintereinbruch ereignete, waren die Menschen einerseits von der weißen Schneepracht beglückt, die sie lange  nicht mehr gesehen hatten, andererseits setze umgehend das Lamento ein über ausfallende Züge und die eisglatten Straßen- und Fußwege. Nicht überall gab es ausreichend Streusalz. Mobilität aber ist heute selbstverständlich und ohne geräumte Straßen bricht bei uns alles zusammen. Ich muss an das Streusalz bzw. an Streugut denken, wenn ich im Matthäusevangelium vom „Salz der Erde“ höre (Matthäus 5, 13-16). Ein harter Winter ohne Streusalz kann halsbrecherisch sein. Wenn Christen Salz der Erde sein sollen, dann denkt Jesus sicherlich an die Würze des Lebens, also das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Aber er könnte doch auch damit sagen wollen, dass wir uns nicht den Hals brechen sollen. Und dazu braucht es Salz, eben jenes "Salz der Erde". Das heißt für mich: es braucht Menschen, die in einer Gesellschaft wie Streusalz wirken und dafür verantwortlich zeichnen, dass unser Land gut durch eisige Zeiten kommt. Wenn es warm ist, wenn eine Gesellschaft wohlig und kuschelig ist, eine Atmosphäre des Wohlfühlens verbreitet, dann mag sich kaum einer Gedanken darüber machen, ob die Streusalzlager voll sind oder nicht. Wenn die Zeiten aber eisiger werden, wenn Gleichgültigkeit global wird und die Ellenbogen regieren, wenn die Kluft zwischen denen, die haben, und denen, die immer weniger haben, nur noch größer wird, dann braucht es Menschen, die sich um Solidarität kümmern, die sich Menschlichkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben, die einstehen für Wahrheit und Gerechtigkeit. Solche Menschen lösen das Eis, sorgen dafür, dass eine Gesellschaft nicht gänzlich ins Schlingern gerät, dass ihr die Bodenhaftung bleibt und sie sich nicht selbst um Kopf und Kragen bringt. Ich bin froh, dass viele Menschen in und außerhalb der Kirche gegen das eisige Klima aufstehen und den Finger in die Wunden legen. Danke für sie alle, denn sie sind das Salz der Erde gegen die Eiseskälte unter Menschen und Nationen.

Stefan Notz

4. Sonntag im Jahreskreis

„Selig seid ihr“, so spricht Jesus in der Bergpredigt (Mt 5, 1-12a). Die Worte Jesu sind seine Lehre vom gelingenden Leben. Der Evangelist Matthäus hat allem eine Gedichtform gegeben, damit man sich alles besser einprägen kann. Was Jesus in den Seligpreisungen sagt, empfinde ich wie einen einzigen Zuspruch: Was immer kommt und was geschieht: Gott vergisst dich nicht. Er ist und bleibt dir zugewandt, wie er es immer war. Hinter allem Auf und Ab des Lebens lässt er sich finden. Nichts muss dich ängstigen, nichts dich betrüben. Er ist Dir nah. Und am allermeisten dann, wenn du dir nichts vormachst. Wenn du die Dinge siehst, wie sie in Wahrheit sind. Das heimliche Grundwort der Seligpreisungen heißt nicht: Du musst tun!, sondern: Du darfst sein. Du musst dir nichts vormachen, musst dich nicht mit Ellenbogen durchsetzen. Du darfst „ja“ sagen zum Leben auch dort, wo du deine eigene Armseligkeit spürst, wo dich Trauer bedrückt. Du musst nicht befürchten zu kurz zu kommen. Du kannst gütig und gerecht sein, ohne dich zu verlieren. Das alles darfst du und kannst du, weil Gott dich trägt. Das Einzige, was es dazu braucht: Dass ich Jesu Worten traue, bis ich ihm glaube. Es gibt so etwas wie eine praktische Gegenprobe, ob wahr ist, was Jesus sagt: Sie besteht darin, so zu sein und zu leben, wie es die Seligpreisungen sagen. Wenn sie wahr sind, werden wir von selbst erfahren, was „selig sein“ heißt.

Stefan Notz

3. Sonntag im Jahreskreis

In Galiläa beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Galiläa hat damals eher nicht die Erwartung geweckt, dass sich dort etwas Großes tun würde. Aber genau dort fängt Jesus an. Dieser Anfang ist so einfach, wie es wohl auch die Menschen waren, an die Jesus seine Botschaft richtete. Sie besteht aus zwei Sätzen: einer Aufforderung und einer Begründung dafür: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe (Mt4,17). Es hängt an diesem „denn“. Das wird für mich deutlich an den beiden, die Jesus als Erste folgen. Simon und Andreas werden seine Jünger und helfen, dass das Gottesreich seinen Weg zu den Menschen finden kann. Die Brüder Simon und Andreas lassen ihre Netze liegen, geben also ihr bisheriges Leben und die bisherige Sicherheit auf. Das ist für mich ein Hinweis auf das Neue, das in Jesus von Nazareth angebrochen ist. Umkehren und Hineinkommen in das Gottesreich gibt es nicht, wenn alles beim Alten bleibt. Eine starke Botschaft ist das, wie ich meine. Eine Botschaft, die auch an unsere Kirche heute gerichtet ist. Das Reich Gottes steht uns offen. Es gilt den Glauben zu wagen. Auf den Versuch kommt es an. Was halte ich für tragend im Glauben? Wo muss ich – wie Simon und Andreas – „das Boot verlassen“, also das Bisherige loslassen und etwas Neues beginnen? Die Berufung der Fischer Simon und Andreas macht mir deutlich, dass Umkehr nichts mit Leistung zu tun hat. Das Evangelium macht Umkehr ganz einfach klar an den Geschichten, die es erzählt, wie die ersten Jünger zu Jesus gekommen sind. Jesus Christus möchte Menschen finden, die sich rufen lassen mit ihm gehen.

Stefan Notz

2. Sonntag im Jahreskreis

Alle vier Evangelien berichten uns von Johannes dem Täufer. Übereinstimmend erzählen sie von seiner Tauftätigkeit am Jordan. Wer war Johannes? Ein Wüstenasket, ein prophetischer Rufer, ein charismatischer Moralprediger, erster großer Christuszeuge. Vielleicht, war er einer nach dem Wesen Jesu Fragender? Oder war er sogar ein »Lehrer Jesu«?  Überliefert ist neben der Tauftätigkeit auch das Ende des Johannes im Zusammenhang mit seiner Kritik am Lebenswandel des Königs Herodes Antipas.

Johannes bleibt für mich eine spannende Gestalt, gerade weil er die Frage nach dem Wesen Jesu wie kein anderer formuliert: »Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?« Johannes hat Jesus nicht von Anfang an verstanden oder sein Wesen erkannt. Zweimal heißt es im heutigen Sonntagsevangelium: „Auch ich kannte ihn nicht.“ Gottes Heiliger Geist schenkt Johannes letztlich die Erkenntnis des Wesens Jesu: „Dieser ist der Sohn Gottes“. Johannes sieht seine Aufgabe darin, Jesus als den Sohn Gottes bekannt zu machen. Dieser johanneische Dienst ist auch uns, den Getauften, aufgetragen. Das ist unser Dienst. Jesus unter die Leute bringen. Das Evangelium von Jesus zu verkünden ist der bleibende Auftrag der Kirche. Jesus ist gekommen; wir müssen nicht auf einen anderen warten. Er, der Sohn Gottes, zeigt uns Gottes Gesicht und Wesen. Einen guten Sonntag wünsche ich Ihnen.

Stefan Notz

Taufe des Herrn

„Als Jesus getauft war (…) öffnete sich der Himmel. Eine Stimme sprach: Das ist mein geliebter Sohn…“ (Mt3, 16-17) Mit dem Fest „Taufe des Herrn“ beschließt die Liturgie des Kirchenjahres den weihnachtlichen Festkreis. Jesus lässt sich vom Täufer Johannes im Jordan taufen. Er stellt sich in die Reihe der Bußfertigen. Bei diesem Geschehen wird er als Sohn seines Vaters im Himmel beglaubigt. Die christliche Taufe schenkt uns die Verbindung mit dem „Sohn“ und macht uns zu seinen Schwestern und Brüdern. Christ wird man nicht durch Geburt, sondern durch die Entscheidung für Christus. Der Glaube weckt Zustimmungskraft und Widerstandskraft. Christen können nicht zu allem Ja und Amen sagen. Das Bekenntnis zum Heiligen Geist schließt immer auch den Mut ein Ungeist beim Namen zu nennen und Flagge zu zeigen. Von Bischof Franz Kamphaus stammt das Wort. „Farblosigkeit kann man nur überwinden, indem man Farbe bekennt.“ Zum Fest der Taufe des Herrn wünsche ich mir für uns alle die Zustimmungskraft zum Glauben an den Gott, der sich bei der Taufe Jesu offenbart. Der Himmel steht offen! Vom Schriftsteller Paul Roth kommen die folgenden Worte: „Du kannst dir nicht ein Leben lang die Türen alle offen halten, um keine Chance zu verpassen. Auch wer durch keine Türe geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen eine nach der anderen zu. Wer selber leben will, der muss entscheiden: Ja oder Nein (…) Das aber ist die erste aller Fragen: Wie heißt das Ziel, an dem ich messe Ja und Nein? Und: Wofür will ich leben?

Stefan Notz

2. Sonntag nach Weihnachten

Das Evangelium des Johannes nimmt den weihnachtlichen Gedanken der Menschwerdung Gottes auf. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut.“ (Joh 1,14) Johannes hat das, was er mit den Augen seines Glaubens an der Gestalt Jesu von Gott sieht, „Herrlichkeit“ genannt. Nicht triumphalistisches Machtgebaren und äußerer Glanz machen Gottes Herrlichkeit aus, sondern das, was im Arme-Leute-Kind von Betlehem aufleuchtet: Gnade und Wahrheit. Das sind zwei besondere biblische Worte. Denn Gnade heißt so viel wie Liebenswürdigkeit, Zuneigung, Bezauberung – griechisch „charis“, daher kommt unser Wort „Charme“. Und Wahrheit meint das, worauf ich mich ganz und gar verlassen kann, bedeutet also so viel wie Treue. Dass Gott uns für so liebenswert hält, dass er uns unbeschreibliche Zuneigung schenkt, die uns, die Beschenkten, eigentlich nur noch bezaubern kann – und dass er durch alles hindurch sogar noch um den Preis seiner selbst zu uns treu steht und uns niemals fallen lässt, – das steht unverbrüchlich als Zusage über einem Leben, egal ob es früh oder satt an Jahren zu Ende geht. Das ist der Kern von Weihnachten. Ein Hoffnungsfest ohnegleichen. Die Sternsinger tragen diese Hoffnung zu den Menschen. Der Segen von der Krippe kann unsere Augen öffnen für die „Herrlichkeit“, die wir schauen dürfen im Kind von Betlehem.

Stefan Notz

3. Adventssonntag

Das Evangelium des Sonntags berichtet von Johannes dem Täufer. Er ist inhaftiert und hört im Gefängnis von den Taten Jesu. Er lässt Jesus fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,2-11) Die Frage von Johannes ist der Hilferufe eines Menschen, dem alles sinnlos zu werden droht. Denn statt Frieden und Gerechtigkeit wächst überall Böses, das Johannes am eigenen Leib erfahren muss. Und Gott schweigt. In seiner inneren Not schickt Johannes seine Freunde mit der Frage zu Jesus: Bist Du wirklich der, der die Wende bringt? Bist du der Messias? Jesu Antwort: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Für mich ist das Evangelium ein Trost (nicht Vertröstung!), weil offenbar selbst ein großer Mensch wie Johannes durch Dunkelheiten gehen muss, die vielen Menschen auch heute nicht erspart bleiben, wenn Krankheit, Unsicherheit und Kriegsangst bedrücken und für immer mehr Menschen in erfahrener Einsamkeit den Sinn des Lebens in Frage stellen. Da ist für mich Johannes der Täufer ein Mitmensch und Bruder in der Not. In allem darf ich die Antwort Jesu hören: „Geht und berichtet, was ihr seht und hört!“ Gaudete- Freut euch. Der Herr ist nahe.

Stefan Notz

2. Adventssonntag

Johannes der Täufer kündet mit drastischen Worten das Gericht an: „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.“ (Mt3,1-12) Der Richter ist Jesus Christus. Wie er zu den Menschen ist, gerade den Angeschlagenen, was er von Gott zu sagen weiß, das genügt, um alles von Menschen Inszenierte und Aufgesetzte zu entlarven und bis zum Grund aufzudecken. Wie richtet Jesus? Er richtet durch seine Menschlichkeit. In der Adventszeit hören wir die Gerichtsreden der Evangelien und den Gerichtspropheten Johannes den Täufer. Wir können, so denke ich, die Botschaft vom richtenden Advent des Herrn gut annehmen und ertragen, wenn wir sie im Licht der Botschaft von seinem ersten Kommen hören und verstehen. Im Letzten ist es die Güte Gottes, die richtet. Das sehen wir im ohnmächtigen Krippenkind von Betlehem, in dem Gott uns begegnen will. Wo und wie anders könnten wir ein Richtmaß für unser Menschsein entdecken als im Leben Jesu, der mit allen Fasern seines Daseins, in seinem Reden und in seinem Tun genauso war, wie Gott ist. Deshalb lautet der sehnsuchtsvolle Ruf der Kirche im Advent: Maranatha – Komm, Herr Jesus.

Stefan Notz

1. Adventssonntag

“Mach hoch die Tür, die Tor` macht weit” – in einem der bekanntesten Adventslieder symbolisiert das Bild der Tür die Zeit des Advent. Die Adventszeit ist eine geistliche Zeit, die einlädt zum Türe-Öffnen. Damit sind nicht nur die Türchen am Adventskalender gemeint, sondern die Türen und Zugänge zu anderen Menschen. Der Advent ist auch die Zeit, die Türen zu mir selbst zu öffnen. Wenn Türen sich öffnen, dann kann es zu einer Begegnung kommen. Bei der geistlichen Vorbereitung auf die Feier des Weihnachtsfestes kommt es auf Erwartung einer Begegnung an. Gott will zum Menschen kommen. Gott will dem Menschen begegnen – auf Augenhöhe. Er hat den Himmel schon aufgeschlossen und schenkt uns seinen Sohn Jesus Christus. Damit er bei uns ankommen kann, müssen wir aufmachen – die Tür unseres Herzens, den Zugang zu unserem Leben. Gott hat sich schon aufgemacht. Er ist ein Gott im Kommen. Er kommt uns entgegen. Das Evangelium vom ersten Adventssonntag (Mt24,29-44) macht aufmerksam: “Darum haltet auch ihr euch bereit! Der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.” Ich wünsche uns allen, liebe Schwestern und Brüder, dass die Erwartung Gott zu begegnen in uns lebendig bleibt.

Stefan Notz

Christkönigssonntag

Wir ehren Christus- König. Für den Philosophen Platon ist der König nicht nur derjenige, der ein Land regiert, sondern auch einer, der die Höhen und Tiefen des Menscheins kennt. In diesem Sinn beschreibt der Evangelist Lukas Jesus als König. Er ist am Kreuz der wahre König. Am Kreuz durchmisst der König Jesus alle Höhen und Tiefen dieser Welt. Im Christus-König ist eine königliche Würde über die kein Mensch Macht hat. Das dürfen wir als Getaufte auch von uns selber sagen: in uns ist etwas, das nicht zerstört werden kann. Das Königliche stammt von Gott. Die Welt hat darauf keinen Zugriff. Die Herrschaft des Menschen hat dort keinen Zutritt. Das schenkt Freiheit. Die Feier des Christkönigsonntags erinnert mich an meine göttliche Würde. Die Taufe schickt mich auf den Weg der Freiheit. Ich darf Verantwortung übernehmen für das „Land“, das Gott mir anvertraut. Das ist kein äußeres Land, sondern das eigene Leben, das Land der eigenen Seele mit seinen Höhen und Tiefen. Der Benediktinerpater Anselm Grün sagt einmal: „König ist nur der, de aufhört, andere für seine Situation verantwortlich zu machen, und sein Leben selbst in die Hand nimmt.“ Christus-König segne uns und unsere Zeit.

Stefan Notz

33. Sonntag im Jahreskreis

"Stärke, was dich trägt”, so lautet das Motto des diesjährigen Diasporasonntags. 80 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg ist die Ordnung, auf der Frieden gebaut wurde in Europa und in weiten Teilen der Welt, so marode wie manche Brücke in unserem Land. Ob wir der Brüchigkeit unseres Zusammenlebens neue Stabilität verleihen können, liegt nicht nur an den politischen Chefstatikern da oben, das liegt auch an uns. “Stärke, was dich trägt”. Jemand hat einmal gesagt: “Das Seil über dem Abgrund wird von denen gespannt, die es am Himmel festmachen.”. Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt, dann ist es Zeit sich neu fest zu machen. Das Herz wird schwer, wenn wir es festmachen an Vergänglichkeiten. Jesus Christus lädt uns ein unser Herz am Himmel fest zu machen. Im Lukasevangelium sagt er: “Es werden Tage kommen, da wird (...) kein Stein auf dem anderen bleiben. (...) Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.” (Lk 21,5-19) In allem, was geschieht, ist – so verstehe ich das Evangelium – das Wort Hoffnung eingeschrieben. Wer sein Leben mit den Augen des Glaubens anschaut, wird es entdecken können. Gott hat alles in seinen Händen. Das stärkt mich. Das trägt mich.

Stefan Notz

32. Sonntag im Jahreskreis

“In Gottes Namen glücklich voran” - so lautet der Wahlspruch des Heiligen Willibrord, des für den Niederrhein so wichtigen Glaubensboten. Er wurde 658 in England geboren und kam nach Studien in Irland mit 12 Gefährten nach Friesland. Mit fränkischer Hilfe und mit päpstlichen Segen wurde er zum Erzbischof der Friesen geweiht. Das Kloster Echternach lag ihm besonders am Herzen. Dort verstarb er 739 und wurde dort begraben. Bei der diesjährigen Echternacher Springprozession wurde uns, den Pilgern aus Xanten – Wardt, eine Reliquie des Heiligen Willibrord überreicht vom Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Kardinal Hollerich . Der Kardinal hat die Reliquie für die St. Willibrord-Kirche in Wardt gegeben und sich bei den Wardtern für die Verehrung des Heiligen bedankt. Die Reliquie wurde von der Propsteigemeinde in ein würdiges Segensreliquiar eingesetzt, mit dem die Wardter Gemeinde zum diesjährigen Patronatsfest erstmalig gesegnet wird. In Dei Nomine Feliciter- in Gottes Namen glücklich voran! Ein gutes Leitwort auch für uns.

Stefan Notz

31. Sonntag im Jahreskreis

Die Kirche vergisst die Verstorbenen nicht. Täglich - nicht nur an Allerseelen – gedenkt die Kirche der Verstorbenen in der Feier der Heiligen Messe. Die Messfeier ist die Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung Christi. Die Kirche gedenkt der Toten in der Überzeugung, dass der Tod, das biologische Finale, keinen absoluten Schlusspunkt setzt. In Todesanzeigen ist von Auferstehung oder christlicher Zuversicht nicht immer etwas zu spüren. Im christlichen Verständnis bedeutet der Tod schließlich nicht Exitus – Aus, sondern Transitus, also Übergang und Umwandlung in eine völlig neue Daseinsweise. Im Gottesdienst für die Verstorbenen wird gebetet: “Deinen Gläubigen, o Herr, wir das Leben gewandelt, nicht genommen.... ihnen wird im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.” Der Mensch ist zu einem ewigen Leben bei Gott berufen. Diese Hoffnung haben wir durch Jesu Sieg über den Tod; denn die Auferstehung Christi ist der Präzedenzfall für alle Menschen, weil er “für sie starb und auferweckt wurde” (2Kor5,15). Im St. Viktor Dom ist auf der Öffnung zur Krypta zu lesen: mors porta vitae - der Tod ist die Tür zum Leben. Wo der Glaube an die Auferstehung und die Vollendung durch Gott erlischt, wird auch die Erinnerung an die Toten verblassen. Das Fest Allerheiligen lenkt unsere Hoffnung auf die Vollendung. Die Heiligen haben den Himmel schon geschenkt bekommen – auf immer. Und der Gedenktag Allerseelen mit der Segnung der Gräber hält die Erinnerung an unsere Verstorbenen wach sowie unsere Glaubensüberzeugung, dass wir Christen genauso trauern wie alle anderen Menschen auch, aber wir trauern “nicht als Menschen, die keine Hoffnung haben” (vgl. 1 Thess4,13). In einem Lied, das oftmals bei Beerdigungen gesungen wird, heißt es: Nur einer gibt Geleite, das ist der Herre Christ. Er wandert treu zur Seite, wenn alles uns vergisst. Ich wünsche uns christliche Zuversicht durch die Feier von Allerheiligen und Allerseelen.

Stefan Notz

30. Sonntag im Jahreskreis

„Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber und Betrüger oder wie dieser Zöllner dort.“ (Lk18,11) Im Sonntagsevangelium spricht aus dem Gebet eines Pharisäers viel Selbstgerechtigkeit. Wer von uns hätte sich nicht schon einmal mit anderen Menschen verglichen oder sich moralisch anderen gegenüber überlegen gefühlt? Auch Gläubige können der Selbstüberschätzung erliegen. Das kann in üblichen Formulierungen durchscheinen, wenn zum Beispiel in einer Fürbitte gebetet wird: Gib, o Herr, dass alle erkennen…. – Klammer auf – wie wir selbst schließlich schon lange erkannt haben…“ Die Erzählung des Lukas vom Pharisäer und dem Zöllner kann uns sensibilisieren, damit es uns nicht so ergeht, wie einem Menschen im Gedicht von Eugen Roth. Das Gedicht macht deutlich, dass auch Christen mächtig in den Fettnapf der Selbstgerechtigkeit treten können: „Ein Mensch betrachtete einst näher das Gleichnis von dem Pharisäer, der Gott gedankt voll Heuchelei dafür, dass er kein Sünder sei. Gottlob, sprach er in eitlem Sinn, dass ich kein Pharisäer bin.“ Einen frohen Start in die neue Woche wünscht Ihnen

Stefan Notz

29. Sonntag im Jahreskreis

Ein altes Sprichwort sagt: Not lehrt beten. Das stimmt oft. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn genauso oft geschieht es, dass gerade in der Not das Beten selber auch noch zur Not wird. Wenn etwas mal so richtig schief gelaufen ist, fängt mancher zu beten an, dem in der Zeit davor Gott und Glaube mehr oder weniger gleichgültig geworden waren. Hilf mir!, wird dann gebetet. Hilf mir, Gott, dass ich wieder herauskomme aus der ganzen Verfahrenheit! Das Evangelium (Lk 18, 1-8) stellt die Frage: Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben finden? Mit dieser Frage wird angedeutet, woran es beim Beten oft am meisten fehlt: Am Glauben der Betenden! Jesus macht in seinem Gleichnis deutlich, dass wir uns Gott nicht zunutze machen können. Wer wirklich aus dem Glauben betet, hängt sich an Gott und lässt sich von ihm durch alles hindurchtragen, was kommen mag. In einer jüdischen Erzählung sagt Rabbi Pinchas: „Betende, die sich an Gott hängen, gleichen einem Königsohn, der sich aus den Schätzen seines Vaters holt, was ihm nottut.“ Ich verstehe es so: Wenn mein Beten aus dem Glauben und von Herzen kommt, meint es Gott selbst und nur ihn. Alles andere darf ich ihm überlassen.

Stefan Notz

28. Sonntag im Jahreskreis

Namenstage und Namensfeste haben im Kalender unserer Kirche einen festen Platz. Am 10. Oktober ist es der Name des Heiligen Viktor und seiner Gefährten. Sie sind frühe Zeugen des Glaubens und haben ihr Leben zu einem Zeugnis der Christusnachfolge gemacht. Für Christen sind Märtyrinnen und Märtyrer Heilige, das heißt Menschen, die das Evangelium von Jesus Christus kennen und als Getaufte ihre Lebensführung danach ausrichten. Unsere Gefühle täuschen uns. Die Märtyrerverehrung wird zu etwas Unverständlichem. Es fällt uns modernen Menschen schwer, wenn Menschen vom Opfertod und dem Ertragen von Qualen berichten und dies als etwas Gutes interpretieren. Liest man allerdings die Quellen unvoreingenommen, wird deutlich, dass es bei der Rede von den Blutzeuginnen und Blutzeugen um das Leben und um eine angemessene Lebensführung geht. Es geht insbesondere in der frühen Zeit des Christentums um die Vorstellung davon, wie Leben zu führen sei und dadurch ein höheres, ewiges Leben gewonnen werden könne. Alle Kulturen kennen Formen des Totenkultes und der Erinnerungsrituale an Verstorbene. Eine Funktion dabei ist die Stiftung von Identität. Indem wir uns an Heilige Frauen und Männer erinnern, binden wir uns als Einzelne an profilierte Vorbilder wodurch die religiöse, kulturelle oder politische Gemeinschaft ihrerseits an Erkennbarkeit und Profil gewinnt. Eine spannende Frage ist für mich, wie heute Identitäten und Profile gewonnen werden? Welche Rolle spielt Jesus Christus dabei? „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können (…) Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.“ (Mt10,28)

Stefan Notz

27. Sonntag im Jahreskreis

Mit dem Rosenkranzfest und der Marientracht endet in Marienbaum die Wallfahrtszeit. Wir ehren Maria, die sich auf Gott eingelassen hat und Jesus zur Welt bringen konnte. Wer wie Maria in Gott verwurzelt ist, der kann anderen Menschen Heimat geben, Heimat bei Gott. Maria zeigt mir, dass Gott tatsächlich beim Menschen ankommt. Maria hat Gott eingelassen in ihr Leben. So konnte Gott Wohnung unter den Menschen nehmen. Papst Benedikt XVI. veröffentliche im Jahr 2005 ein Rundschreiben mit dem Titel „Gott ist Liebe“ (Deus Caritas est). Darin nimmt er ein Gebet auf: „Heilige Maria, Mutter Gottes, du hast der Welt das wahre Licht geschenkt, Jesus, deinen Sohn – Gottes Sohn. Du hast dich ganz dem Ruf Gottes überantwortet und bist so zum Quell der Güte geworden, die aus ihm strömt. Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm. Lehre uns ihn kennen und lieben, damit auch wir selbst wahrhaft Liebende und Quelle lebendigen Wassers werden können inmitten einer dürstenden Welt.“ Ja, die Welt hat Durst nach Frieden und Gerechtigkeit. Wo Menschen Gott Einlass gewähren in das eigene Leben, kann er sie zu neuen Menschen machen. Der Apostel Paulus schreibt: "Zieht den neuen Menschen an, der nach Gottes Urbild geschaffen ist" (Epheserbrief). Maria lehrt uns Jesus lieben. Durch uns möchte Jesus heute zur Welt kommen, zu den Menschen und in die großen Fragen unserer Zeit.

Stefan Notz

26. Sonntag im Jahreskreis

Alles hat seine Zeit. Es geht im Leben und im Glauben um den rechten Zeitpunkt. Jesus lenkt die Aufmerksamkeit immer wieder auf das „Heute“. Was Gott wirkt und schenkt, geschieht im Heute, im Jetzt. In einem Lied, das ich schon als Schüler in den Schulgottesdiensten gerne gesungen habe, heißt es: „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, wo getan wird oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn ER kommt.“ Im Sonntagsevangelium wird einem Menschen bewusst, dass es viele Augenblicke, Gelegenheiten und Chancen im Leben gegeben hat, die nicht genutzt wurden. Eine schmerzliche Erkenntnis ist das für einen reichen Menschen in der Erzählung Jesu (Lk 16,19-31) „Erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast.“ Das Evangelium von Lazarus und dem reichen Mann ist eine Einladung den Augenblick zu nutzen bevor er vorübergegangen ist. Viele ungenutzte Gelegenheiten tun uns im Nachhinein unendlich leid. Jeder Tag bietet Möglichkeiten zu lieben. So macht es Gott, der uns seine Liebe in Jesus Christus menschlich nahebringt. Das „Heute“, von dem Jesus spricht, ist nicht nur ein flüchtiger Moment, ein knapper Zeitraum von wenigen Minuten, den man absolut nicht verpassen darf; der Augenblick, von dem Jesus spricht, der geht so schnell nicht vorbei, er dauert ein Leben lang. Ein ganzes Leben lang haben wir Zeit, die Gelegenheiten, die sich bieten beim Schopf zu packen. Nutzen wir sie – am besten heute.

Stefan Notz

25. Sonntag im Jahreskreis

Ohne Zweifel handelt es sich um einen zwielichtigen Verwalter im Evangelium (Lk 16,1-13). Sympathisch finde ich seine Selbstbeschreibung: „Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich.“ Das könnte ich auch von mir selbst sagen. Ich will natürlich meine Angelegenheiten korrekt ausführen und keine krummen Sachen machen. Der unehrliche Verwalter erleichtert den Menschen das Leben unter einer strengen Herrschaft. „Was steht auf deinem Schuldschein? 100? Vergiss es, setz dich hin und schreib 50!“ Der Verwalter im Evangelium streicht Schulden, die er gar nicht nachlassen durfte. Und was macht Jesus? Er tadelt den Verwalter nicht. Im Gegenteil, er lobt ihn sogar. Ich beziehe die Worte des Evangeliums auf die Kirche. Sie war lange wie der strenge Herr bei Lukas, der einen Verwalter einsetzt. Die kirchlichen Verwalter waren oft streng, nicht immer gütig. Sie meinten es dem Herrn recht machen. Diese Pastoral hat viele Generationen im ihrem Gottes- und Kirchenbild geprägt. Jesus lobt den unehrlichen Verwalter. Er lobt nicht die Unwahrhaftigkeit oder die Betrugsabsichten. Er lobt die Klugheit des unehrlichen Verwalters. Menschen das Leben zu erleichtern, das kommt in den Augen Jesu ganz gut an. Wo würde Jesus heute loben? Was würde er an meinem Tun gut finden oder am Handeln der Kirche heute? Eine provozierende Frage ist das, finde ich. Ich wünsche uns allen eine gute Woche.

Stefan Notz

24. Sonntag im Jahreskreis

Am 14. September begehen Christen rund um den Globus das Fest „Kreuzerhöhung“. Jesus stirbt am Kreuz. Das Johannesevangelium deutet das Kreuzesgeschehen als „Erhöhung“. Aus dem Himmel war der „Menschensohn“ Jesus einst herabgestiegen. Weil er herabgestiegen ist und am Kreuz erhöht wurde, gibt es für die Menschen die Neugeburt, die Gemeinschaft mit Gott. Die „Wiedergeburt“ ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengung, sondern eine Gabe des Geistes Gottes, ein Geheimnis des Glaubens. Im alttestamentlichen Buch Numeri wird die Erhöhung mit dem Bild der Schlange erklärt. Die an einer Stange befestige Schlange war für die Israeliten in der Wüste ein Zeichen der Rettung gewesen. Gerettet hat natürlich nicht die Schlange, sondern die Barmherzigkeit Gottes.  Christus ist am Kreuz erhöht, damit „jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“ (Joh 3,15) Das Kreuz Jesu Christi ist ein prägendes Symbol für das Christentum. Für die Entwicklung Europas hat es eine zentrale Rolle gespielt.  Das Kreuz vermittelt die Botschaft: Das Wichtigste im Leben ist die Liebe zum Nächsten – wenn es sein muss, bis zum eigenen Tod. Diese Grundbotschaft hören die Europäer seit 2000 Jahren. Der Kontinent wurde davon geprägt. Das Kreuz bleibt auch heute ein Aufruf. Wenn die Europäer aber bald nicht mehr wissen, wie der Mann am Kreuz heißt, dann verliert Europa seine Identität. Europa ist dabei. Das ist, denke ich,  die zentrale kulturelle und gesellschaftliche Herausforderung heute.

Stefan Notz

23. Sonntag im Jahreskreis

Die Ausstellung des LVR „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ ist Freitag eröffnet worden und für drei Monate u.a. im Dom und im Stiftsmuseum zu sehen. Verschiedene Aspekte einer bewegten Geschichte von Menschen und Orten werden beleuchtet. Unsere „älteren Geschwister im Glauben“ hat Papst Johannes Paul II. die Juden genannt. Das hat mich damals als Student der Theologie sehr bewegt. Dabei war das Verhältnis zur Religion Jesu immer wieder von Anfeindung und Ausgrenzung geprägt. Im Dom zeugt eine antijudaistische Darstellung im Hochchor aus dem 13. Jahrhundert davon. Es gibt auch positive Beispiele in der Haltung zum Judentum. In der Domkrypta wird an Wilhelm Frede erinnert (ermordet 1942 im KZ Sachsenhausen). Er war ein deutscher Diplomat in Diensten des niederländischen Konsulats. Als bekennender Katholik scheute er sich trotz der Beobachtung durch die Gestapo nicht jüdische Mitbürger zu grüßen und mit ihnen zu sprechen, so dass er als „politisch unzuverlässig“, als „fanatischer Katholik“ und als „Judenfreund“ galt. Im Marienaltar des Domes ist die Wurzel Jesse dargestellt. Dort haben die Propheten Israels im Stammbaum Jesu Ihren Platz. Der Apostel Paulus erinnert im Romerbrief daran. Er nennt das Judentum die Wurzel und die Christen die Zweige. Er sagt: „Du sollst wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römer 11,18). Ich wünsche der Ausstellung im Dom und im Stiftsmuseum viele Besucherinnen und Besucher.

Stefan Notz

22. Sonntag im Jahreskreis

Jesus erzählt seine Gleichnisse im Blick auf das Reich Gottes. Bei einem Festessen schielen manche auf die Ehrenplätze bei Tisch. Jesus beobachtet das Geschehen und gibt einen Hinweis: „Wenn du eingeladen bist, nimm den untersten Platz ein, damit der Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf!“ Es geht Jesus, wie gesagt, um das Reich Gottes. Im Reich Gottes, also da, wo die Welt wieder so ist, wie Gott sie von Anfang an gewollt und gedacht hat, da muss niemand aus sich etwas „machen“. Niemand muss sich in Szene setzen. Weil Gott schon sein „ja“ gesprochen hat, hat jede und jeder Ansehen bei ihm. Keine Sitzordnung und kein Titel bedeutet dann etwas. Ich finde, dass das Evangelium gerade auch diejenigen meint, die in der Kirche die besonderen Plätze einnehmen. Klaus Müller, vormals Professor für Theologie an der Universität Münster sagt es in einer Predigt so: Christliche Bescheidenheit wie Jesus sie vorlebt, sieht sich konfrontiert „mit einer Lüsternheit auf die Titel der Monsignori, der Prälaten, der Kanoniker, Kapitulare und Protonotare – und was sonst noch an Symbolen der Unerlöstheit in unserer Kirche herumkreuchen mag. Ich vertraue darauf, das die geduldige Demut Jesu auch diese Widernisse besiegen wird und wir (…) in einer Kirche leben, die dem Evangelium mit weniger Verrenkungen zu entsprechen weiß als die heutige.“ (in: K. Müller, Gottes ABC, Aschendorff, S. 271) Einen guten Sonntag wünscht Ihnen

Stefan Notz

21. Sonntag im Jahreskreis

Jesus sagt von sich: „ich bin die Tür“ (Joh 10,9). Beim Evangelisten Lukas begegnet an diesem Sonntag das Bild von der „engen Tür“. Wer sich auf Jesus einlässt ist mit allen Kräften gefordert. Herz und Verstand sind ebenso gefordert wie Entschiedenheit. Wenn nämlich einmal die Tür verschlossen wird, dann soll der Herr nicht sagen müssen: „Ich kenne euch nicht.“ (Lk 13,25). In der zurückliegenden Woche wurde an den Priester Gerhard Storm gedacht. Er war Kaplan in Wesel und in Emmerich. Wegen seiner regimekritischen Predigten wurde er am 15. Mai 1942 auf Geheiß der Gestapo festgenommen. Am 23- Juli wurde er ins KZ Dachau verbracht, wo er am 20. August an den Folgen der Haft verstarb. Seine Asche wurde zunächst auf dem Friedhof in Haldern beigesetzt, bis sie am 3. September 1966 in die Krypta des Xantener Doms, der Gedenkstätte für die regionalen Glaubenszeugen in der Zeit der Nationalsozialismus, übergeführt wurde. Auch in der St. Aldegundiskirche in Emmerich erinnert eine Tafel an den ehemaligen Kaplan. Dort ist geschrieben: „Wegen seiner mutigen priesterlichen Pflichterfüllung in der NS Zeit starb er im KZ-Dachau.“ Ich bin sicher, dass Gerhard Storm die „enge Tür“ durchschritten hat und sein Leben gerettet ist. Jesus Christus ist der Zugang, die Tür zum Leben. Wir wollen  auf ihn zugehen mit ganzer Seele und all unseren Möglichkeiten. Eine gute neue Woche wünsche ich Ihnen.

Stefan Notz

14. Sonntag im Jahreskreis

Jesus befindet sich am Beginn seines Wegs nach Jerusalem. Er lässt seine Jünger vorangehen und sein Kommen vorbereiten. Zweiundsiebzig Menschen sendet Jesus aus. Diese Zahl symbolisiert im biblischen Verständnis  die Weltvölker in ihrer Gesamtheit. Jesus sendet sie aus. Sie haben eine Mission. Sie gehen „im Namen Jesu“ Die Jünger Jesus sollen ohne Vorräte gehen aber auch ohne falsche Vorstellungen. Denn sie bieten Frieden an, doch nur bei Mitmenschen, die selbst friedliebend sind, bleibt der Friede. Frieden kann nur da erreicht werden, wo Menschen dazu fähig und bereit sind. Für mich steckt im Evangelium ein sehr zentraler Impuls:  Pastorale Arbeit soll sich nicht stützen auf den Reichtum der Mittel, sondern auf die Kreativität der Liebe. Sicher sind auch Zähigkeit, Mühe, Arbeit, Planung, Organisation nützlich, allem voran aber muss man wissen, dass die Kraft der Kirche nicht in ihr selbst liegt, sondern sich im Geheimnis Gottes verbirgt. Bei unseren Aufbrüchen – Jesus sendet uns schließlich heute - soll das Gepäck nicht zu schwer sein. Ist der Rucksack voll mit Bürokratie, mit Rechthaberei, mit Sicherheitsdenken oder auch mit materiellen Ansprüchen, würde sich sehr bald Müdigkeit und Erschöpfung einschleichen. Ist das nicht schon unsere Situation?  Kein Vorrat, keine falschen Vorstellungen vom Reich Gottes! Ohne die Einfachheit, die Jesus von seinen Jüngern fordert, beraubt sich die Kirche der Möglichkeit Gott in der Tiefe seines Geheimnisses zu berühren. Ich wünsche einen schönen Sommer.

Stefan Notz

(Während der Schulferien erscheint kein geistliches Wort vom Propst. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die Reihe fortgesetzt.)

13. Sonntag im Jahreskreis

Der 29. Juni ist der Gedenktag „ Peter und Paul“. Wir gedenken der beiden Apostel Petrus und Paulus. Jesus gab dem Simon den Namen „Fels“ (Kephas), also  Petrus. Er wird in allen  Apostellisten als Erster genannt. Paulus wurde nach seiner Bekehrung zum Apostel der Völker. Beide Apostel, Petrus und Paulus,  erlitten in Rom das Martyrium. Die Gräber der Apostel werden dort verehrt. Der Heilige Augustinus (gestorben 430) sagt in einer Predigt zum Fest Peter und Paul: „Wie ihr wisst, hat der Herr Jesus vor seinem. Leiden die Jünger ausgewählt, die er Apostel nannte. Fast bei allen Gelegenheiten durfte allein Petrus die Kirche vertreten. Weil er allein die ganze Kirche darstellte, durfte er die Worte hören: "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.” Denn diesen Schlüssel erhält nicht ein einzelner Mensch (Petrus), sondern die eine Kirche. Darum wird der hohe Vorzug des Petrus gepriesen, weil er eben die Gesamtheit und Einheit der Kirche in seiner Person darstellte, als ihm gesagt wurde: "Dir werde ich übergeben”, was allen gemeinsam anvertraut wurde. Um zu verstehen, dass die Kirche die Schlüssel des Himmelreichs erhalten hat, hört, was der Herr an anderer Stelle zu allen sagt: Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“

Ein schönes Hochfest Peter und Paul wünscht Ihnen allen Stefan Notz

12. Sonntag im Jahreskreis

Wer ist Jesus? Im Evangelium dieses Sonntags (Lk9, 18-24) gibt Petrus die richtige Antwort: Du bist der Christus, der Messias. Verstehen aber muss er erst noch nach und nach, was das wirklich beinhaltet. Die richtige Antwort des Petrus kenne auch ich schon seit Kindertagen. Das Verstehen kommt aber nie ans Ende. Lukas beginnt seine Darstellung mit einem gewollten Paradox: „Jesus betete für sich allein und seine Jünger waren bei ihm.“ Die Jünger – und auch wir – sind in das Alleinsein Jesu hineingenommen. Wir dürfen Jesus als den sehen, der mit Gott Auge in Auge spricht, von Du zu Du redet. Die Jünger können Jesus an dem Punkt erleben, von dem  alle seine Worte, seine Taten und seine Vollmacht ausgehen. Sie gewinnen aus diesem Erleben eine Erkenntnis, die über das bloße Meinen der Leute hinausgeht, die Jesus zum Beispiel für einen Propheten halten, der wiedergekommen sei. Wer ist Jesus für mich? Huub Oosterhuis notiert in einem seiner Texte 29 Namen für Jesus:

„Nächster. Fremder. Jude. Same. Baum an der Quelle. Bräutigam. Weg. Traummensch. Offene Tür. Eckstein. Schlüssel. Löwe. Judas. Lamm. Gerechter. Hirte. Perle. Zweig. Fisch. Brot. Wort. Weinrebe. Sohn Gottes. Knecht. Ströme lebendigen Wassers. Morgenstern. Bahnbrecher. Einziger. Unsagbar Gesagter.“  Wer ist Jesus für mich? Welchen Namen gebe ich ihm?

Einen guten Sonntag wünscht Stefan Notz

Dreifaltigkeitssonntag

'Du kannst dir kein Bild davon machen'. »Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott, deinem Herrn, und nicht von den Menschen, die seine Geschöpfe sind« So formuliert es der Schriftsteller Max Frisch. Und doch - wir Menschen sind sinnliche Wesen. Wir sind auf Bilder angewiesen, um zu Einsichten zu kommen. Wir greifen zu Symbolen, um den Heiligen Geist und sein Wirken darzustellen: Wasser, Feuerzungen, Sturm, Atem. Aber damit haben wir ihn nicht im Griff. Wir haben das Geheimnis Gottes nicht in der Hand, als wäre er ein Prachtexemplar des kirchlichen Inventars, über das wir verfügen und das wir nach Bedarf unters Volk bringen. Die Heiligste Dreifaltigkeit ehren wir am Sonntag nach Pfingsten.  Wir ehren den einen Gott, der in die konkrete Geschichte eingegangen ist. Gott schreibt Geschichte in Jesus Christus. Ulrich Lüke (Münster) schreibt: „Der unendliche Gott wird endlich, er endet, ja verendet am Kreuz. Der ewige Gott wird zeitlich, der Herr aller Zeit wird ein Kind seiner Zeit, ein Mensch unserer Zeit. Der allmächtige Gott wird machtlos als Wickelkind, er wird ohnmächtig als Kreuzträger. Der unbegreifliche Gott wird greifbar, aufgreifbar und angreifbar im Menschen Jesus Christus. Der unendliche Gott erschließt im Auferstandenen unserem endlichen Todeshorizont die grenzenlose Unendlichkeit seines Lebens.“ Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag.

Stefan Notz

Pfingstsonntag

Pfingsten ist ein Ereignis. Der Heilige Geist kommt auf die Jünger herab. Sie finden neuen Mut. Sie werden motiviert das Evangelium zu leben. An Pfingsten überwinden sie den toten Punkt, den sie nach dem Tod Jesu erreicht hatten. Der Heilige Geist ist Motivator und Beistand. „Ohne sein lebendig Wehen, kann im Menschen nichts bestehen…“, singt die Kirche in einem alten Pfingsthymnus. In Feuerzungen kommt der Heilige Geist auf alle herab. In diesem starken Bild erzählt die Apostelgeschichte das Pfingstereignis (Apg 2, 1-11).  Der Heilige Geist ist es, der uns in der lebendigen Verbindung hält mit dem verborgenen Gott und mit seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus. Es ist der Heilige Geist, der die Kirche aufbaut. Der Heilige Geist ist es, der uns trotz aller Irrtümer zum Erkennen und Tun des Richtigen ermutigt und befähigt. Der Geist ist es, der uns trotz Versagen und Schuld zum Erkennen und Tun des Guten ermutigt und befähigt. Der Geist führt uns in die Wahrheit, die Gott schenkt. In Jesus Christus ist diese Wahrheit ansichtig und erfahrbar geworden. Die Kirche ist heute  in einer Krise. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sprach vor Jahren ebenfalls  vom „toten Punkt“, an dem die Kirche angelangt sei. Daher ist Pfingsten so wichtig. Wir brauchen das Kommen des Heiligen Geistes, des Lebendigmachers. Wir brauchen den göttlichen Geistesblitz, die Ermutigung. Dann kann der Glaube atmen und praktisch werden. Dann kann er öffentlich wirksam sein. Das Pfingstereignis erzählt von Menschen, die sich vorher fremd waren und keine gemeinsame Sprache finden konnten. Durch die Geistsendung verstehen Fremde einander. Mit dieser Erfahrung entsteht Kirche, eine Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg. Ich wünsche uns die Erfahrung von Pfingsten, also den Motivationsschub, der uns die Freude am Christsein schenkt. Komm, heiliger Geist!

Ich wünsche Ihnen und Euch allen ein frohes Pfingstfest

Stefan Notz

7. Sonntag der Osterzeit

Manchen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen erscheint die Kirche, insbesondere die römisch-katholische Kirche, als antiquierte Institution. Sie wirke, so höre ich es häufig, verknöchert und unbeweglich. Ja, so etwas wie ein geistliches Burn-Out ist in Deutschland wohl festzustellen. Was für eine Aufbruchstimmung im Gegensatz dazu am ersten Pfingsttag, dem Geburtstag der Kirche! Der Heilige Geist kommt auf die Apostel herab und verwandelt ängstliche Gestalten in furchtlose und überzeugende Verkünder des Evangeliums von Jesus Christus. Vom Heiligen Geist ist auch in den Schriftlesungen des Sonntags die Rede. Stephanus, erfüllt vom Geist, sieht den Himmel offen. Durch Christus, durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung, steht nichts mehr zwischen Gott und Mensch. Die Apostelgeschichte erzählt von der Steinigung des Stephanus. Der Heilige Geist hat ihn zum kraftvollen Zeugen für Christus und sein Evangelium gemacht. Für sein Glaubenszeugnis wird er gesteinigt. In diesen Tagen beten wir um das Kommen des Geistes, damit wir heute Mut gewinnen unser Christsein zu leben. Gewiss, die Kirche hat ein hohes Alter. Sie ist aber nicht veraltet. Statt Feuer und Flamme für Jesus zu sein, leuchten wir vielleicht zu oft „auf kleiner Flamme“. Ich wünsche, dass wir bei allen Vorbehalten gegen die Kirche, der Dynamik des Geistes Vertrauen schenken können. Das Pfingstwunder kann sich auch heute ereignen. Menschen, die sich fremd gegenüberstehen, beginnen einander zu verstehen und finden eine gemeinsame Sprache. Aus der Erfahrung, dass in der Kraft des Heiligen Geistes Trennungen überwunden werden können, entsteht immer neu die Kirche Christi -eine Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg. Eben das ist der Wunsch Jesu, wie das Johannesevangelium ihn vermittelt: „Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.“ (Joh 17,26)

Stefan Notz

6. Sonntag der Osterzeit

Ich habe den Begriff „Beistand“ gegoogelt. Die Suchmaschine erklärt, dass der Begriff Beistand aus dem Bereich des Rechts stammt. Ein Beistand darf in Verwaltungs- und Gerichtsverfahren neben den Beteiligten oder Parteien auftreten. Beistände unterstützen und helfen vor Gericht. Jesus kündet seinen Jüngern und seiner Kirche einen Beistand an. Gott, sein Vater, wird den Beistand senden. Er wird unterstützen und helfen, lehren und erinnern. Das Erinnern, vom dem im Evangelium des Johannes die Rede ist, bedeutet mehr als ein Nicht-Vergessen oder etwas ins Gedächtnis zu rufen. Es bedeutet, dass die Heilige Geistkraft Gottes unseren Glauben und unsere innere Haltung stärkt. In der Kraft des Heiligen Geistes ist Jesus auf andere Weise für uns da. Die Kirche ist deshalb etwas anderes als ein Verein. Gewiss braucht die Kirche, wie andere Vereinigungen auch, eine Struktur und eine Rechtsordnung, doch in erster Linie wirkt in ihr Gottes Geist. Der Heilige Geist öffnet dem Glauben und der Kirche Zukunft. Zur Zeit machen wir uns viele Gedanken um die Zukunft der Kirche. Wir diskutieren, dürfen aber das Beten nicht vergessen. Wir beten und bitten um die Gaben und Möglichkeiten des Geistes Gottes. Im Heiligen Geist werden Menschen, die sich als Konkurrenten und gegnerische Parteien verstehen, zu Schwestern und Brüdern. Jesus steht uns bei: „Meinen Frieden gebe ich euch.“ (Joh 14,27) Damit ist mehr gemeint, als das die Waffen schweigen. Es ist ein Friede, in dem Menschen sich endlich als Schwestern und Brüder erkennen und als Töchter und Sohne des Vaters im Himmel. Diesen Frieden können Menschen allein nicht hervorbringen und noch weniger garantieren. Es bedarf des Beistandes von Gott, seiner Geistkraft, die uns erinnert, „damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.“ (V. 29)

Stefan Notz

5. Sonntag der Osterzeit

Im Johannesevangelium ist das Wort „Liebe“ zentral: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jüngerinnen und Jünger seid – wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13, 35) Aber was ist Liebe? In einem gemeinsamen Nachdenken zur Frage: Was fällt mir zur Liebe ein? wurden folgende Antworten gegeben: Zuneigung; Antwort auf Geliebtwerden; selbstlos werden, Zeit haben, zuhören, anschauen; dem anderen entgegengehen; Geborgenheit, Zärtlichkeit; sehen, was der andere braucht; Glücksgefühl, umarmen, küssen; Barmherzigkeit, Herzlichkeit; beisammen sein, Gemeinschaft; sich öffnen; Kraft, Freude, Leid; Hingabe; geben und nehmen, ohne zu rechnen; Verantwortung für den Nächsten übernehmen; vertraut sein; Eros, Agape, Caritas. Zur Frage nach der Liebe kommt enorm viel in den Sinn. Was ist Jesus dazu eingefallen? Er stellt sich selbst als Vorbild hin: "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben". Das Evangelium verstehe ich als Einladung wie Jesus und mit Jesus zu lieben. Seine Liebe ist nicht sentimental. Kardinal Walter Kasper sagt es mit diesen Worten: „Liebe ist das Spezifikum des christlichen Lebens. Ihr Maß geht über jedes normalmenschliche Maß hinaus und bemisst sich an der Liebe, die Jesus selbst uns durch seine Lebenshingabe erwiesen hat. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“(Joh 5,12 f.) Aus der liebenden Hingabe Gottes in Jesus Christus darf ich leben.

Stefan Notz

4. Sonntag der Osterzeit

Das uralte orientalische Bild vom Hirten und seiner Herde strahlt Ruhe aus. Im Johannesevangelium spricht der Hirte Jesus: „Ich kenne meine Schafe. Sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben.“ Nicht nur im Orient, sondern auch am Niederrhein kann man Schafherden beobachten. Immer geht es eher langsam voran, denn der Hirt achtet darauf, dass keines der Tiere zurückbleibt. Im Bild des Hirten und der Herde sagt das Evangelium etwas über Jesus und die Christinnen und Christen. Wer zu Jesus gehört, kennt seine Stimme. Was Jesus sagt, sein Ton und seine Worte sind ihnen vertraut. Wie die Herde sicher vom Hirten zum guten Weideplatz geführt wird, so trägt Gott Sorge um jeden einzelnen von uns. Ich darf mich ihm anvertrauen und muss mich nicht ängstigen. Jesus sagt: Ich gebe ihnen ewiges Leben. Das bedeutet: Diesem Hirten zu folgen, bringt auf einen Weg, der das, was wir tun und lassen gültig macht vor Gott. Vor Gott gültig sein heißt: endgültig sein, also ins Ewige gehören. An der Seite des Guten Hirten Jesus möchte  ich meinen Weg gehen. Die Worte des Evangeliums und die Gebetsworte aus dem Alten Testament (Psalm 23) machen mir Mut und geben wir Kraft für den Tag: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen. Er deckt mir den Tisch. Er füllt mir reichlich den Becher. Im Hause Gottes darf ich leben alle Zeit.

Einen guten Sonntag wünscht Stefan Notz

3. Sonntag der Osterzeit

In dem wie  Jesus lebte, sprach und handelte, zeigt sich ein Gottvertrauen, das motivieren kann anders auf das eigene Leben zu schauen und vielleicht sogar anders zu leben.  Nach den Osterereignissen sind die Jünger Jesus wieder in Galiläa. Sie gehen ihrem Beruf nach. Sie fahren mit dem Boot auf den See hinaus, allerdings ohne Erfolg. Die Netze bleiben leer. Am Morgen steht Jesus am Ufer. Er fordert die Jünger auf das Fischernetz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen. Sie tun, was Jesus sagt. Die Netze füllen sich so reich, dass sie Mühe haben den Fang einzuholen. An dem, was das Wort Jesu bewirkt, erkennt Johannes: Es ist der Herr! Als sie an Land kommen, ist für sie eine Mahlzeit zubereitet. Da ist ein Feuer und darauf Fisch und Brot. Obwohl die Jünger von Jesus gefragt werden, ob sie nicht etwas zu essen haben, brauchen sie das selbst Gefangene jetzt gar nicht. Es ist schon etwas da. Es ist schon alles gegeben. Sie brauchen ihr Eigenes nur noch dazu legen. Ich deute das Geschehen am See von Tiberias von der Hl. Messe her. Der Tisch ist schon gedeckt, das Mahl ist bereitet. Der Herr gibt sich selbst. Er ist die Speise zum ewigen Leben. Ich muss mich nur noch selber einbringen, mich sozusagen dazugeben.  Die Eucharistiefeier lässt mich teilnehmen an der Ostererfahrung am See von Tiberias: Kommt und esst! In der Feier der Hl. Messe steht die Einladung Jesu: Kostet und seht, wie gut der Herr ist.  Einen erholsamen Sonntag wünscht Ihnen Stefan Notz.

2. Sonntag der Osterzeit

Das hat mich innerlich berührt. Papst Franziskus hat uns alle am Ostersonntag gesegnet. Dann ist er hinübergegangen in das Haus des Vaters im Himmel. Als Beitrag zu diesem Sonntag zitiere ich in Erinnerung an den verstorbenen Papst einen Abschnitt aus einer Predigt, die er beim Weltjugendtag in Lissabon (August 2023) gehalten hat. Papst Franziskus spricht dort über die Verklärung Jesu: »Dieser ist mein geliebter Sohn, (…) auf ihn sollt ihr hören«. (vgl. Mt 17,5) Papst Franziskus: „Alles, was es im Leben zu tun gibt, ist in diesen Worten enthalten: Auf ihn sollt ihr hören. Auf Jesus hören, das ganze Geheimnis liegt darin. Höre, was Jesus zu dir sagt. „Ich weiß nicht, was er zu mir sagt“. Nimm das Evangelium und lies, was Jesus sagt und was er deinem Herzen sagt. Denn er hat für uns Worte ewigen Lebens. Er offenbart, dass Gott Vater ist, Liebe ist. Er lehrt uns den Weg der Liebe, hör auf Jesus. Denn manchmal gehen wir mit gutem Willen Wege, die solche der Liebe zu sein scheinen, aber am Ende sind sie Selbstsucht, die sich als Liebe maskiert. Hütet euch vor der Selbstsucht, die sich als Liebe maskiert. Hör auf ihn, denn er wird dir sagen, welches der Weg der Liebe ist. Hör auf Ihn.“

Einen guten Sonntag wünscht Stefan Notz

Palmsonntag

Jesus sammelt  eine Schar von Jüngerinnen und Jüngern um sich, die von seiner Botschaft berührt und begeistert sind, die ihren Alltag und ihre familiären Beziehungen hinter sich lassen und ihm folgen. Was er sagt, ist nicht immer angenehm, sondern radikal. Wie er seine Gottesbeziehung lebt, ist faszinierend und gibt Hoffnung. Und diese Hoffnung überträgt sich auf eine größere Menschenmenge. Sogar politische Erwartungen werden an Jesus geknüpft. Jesus wird gesehen als  der neue König, der mit der römischen Besatzung Schluss machen wird und die Freiheit zurückbringt. Jesus wird gefeiert, ob es ihm gefällt oder nicht. Hosianna! So rufen die Menschen Jesus zu als er nach Jerusalem kommt. Bald schon schlägt der Jubel um in das Gegenteil. Man fordert seinen Tod. Jesus geht seinen Weg konsequent für uns alle. Er, der König mit der Dornenkrone, trägt unser Leben, unser Geschick und unser Versagen hinauf nach Golgotha. Dort wird das Kreuz aufgerichtet. Christi gekreuzigte Liebe will uns anspornen das Aufrichten zu üben, das heißt wie Gott zu handeln. Einen Neubeginn, neues Leben zu ermöglichen, die Würde aller zu sehen. Das ist dann die Kar- und Osterwoche an jedem Tag des Jahres.

Propst Stefan Notz

5. Fastensonntag

Vor 10 Jahren rief Papst Franziskus ein „Jahr der Barmherzigkeit“ aus. Barmherzigkeit ist ein Grundwort des Evangeliums von Jesus Christus. Neben der Zustimmung zum Anliegen des Papstes, gab es damals auch Kritik, die u.a. von „Barmherzigkeitsduselei“ sprach. Diese sei ein Kennzeichen seines Pontifikates, meinten einige Kritiker, die dem Heiligen Vater eine Aus-dem-Bauch-heraus-Theologie unterstellten. Franziskus setze in Wort und Tat Recht und Ritual herab und untergrabe damit sein eigenes Amt. Ganz ähnlich begegnet es mir im Evangelium. Die  Pharisäer und Schriftgelehrten wollen Jesus in Schwierigkeiten bringen. Steht Jesus im Fall der Ehebrecherin zum Gesetz und damit zur Todesstrafe? Wenn ja, was ist dann mit seiner Menschlichkeit, die er sonst praktiziert? Jesus lässt sich auf kein Wortgefecht ein. Er bückt sich und schreibt in den Sand. Das tut er nicht, um sich vor einer Antwort zu drücken, sondern er setzt damit ein prophetisches Zeichen. Dieses Zeichen musste die Kenner der Heiligen Schriften treffen wie ein Blitz. Beim Propheten Jeremia (17,13) heißt es: „Alle, die dich verlassen, Herr, werden zuschanden, die sich von dir abwenden, werden in den Staub geschrieben.“ Am Ende bleiben die Frau und Jesus allein zurück. Jesus hat der Frau bedingungslos einen neuen Anfang geschenkt, weil er weiß, wie bedingungslos Gott selbst für den Menschen da ist. Jesus heißt die Tat der Frau nicht gut. Aber er befreit die Frau aus ihrer Verstrickung, gratis, aus Gnade, weil unser Gott ein Gott für uns ist. Für diese Botschaft hat Jesus wenig später mit dem Leben bezahlt. Aber Gott hat ihm Recht gegeben – wir sagen: er hat ihn auferweckt. Was für eine tolle Botschaft, denke ich.  Ich wünsche uns ein gutes Zugehen auf die österlichen Tage.

Propst Stefan Notz

4. Fastensonntag

Das Gleichnis (Lk 15) hat im Lauf der Zeit ganz verschiedene Titel bekommen: „Gleichnis vom barmherzigen Vater“, „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ und „Gleichnis von den zwei Brüdern“. Jesus hat dieses Gleichnis erzählt als ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten wegen seines Verhaltens den Sündern gegenüber kritisierten. Er hat die Sünder nicht ausgegrenzt, keinen Bogen um sie gemacht. Jesus verhält sich den Sündern gegenüber so, wie Gott es tut. Um das zu zeigen erzählt Jesus dieses Gleichnis. Als der „verlorene“ Sohn heimkehrt, sieht ihn der Vater von weitem kommen. Er läuft dem Sohn entgegen. Und noch bevor dieser überhaupt sein Schuldbekenntnis sprechen kann, fällt ihm der Vater um den Hals und küsst ihn –  ein Zeichen dafür, uneingeschränkt wieder oder besser immer noch als Sohn anerkannt zu sein. Der ältere Bruder neidet dem Jüngeren die Liebe des Vaters – obwohl sie ihm nicht entzogen wird und nie entzogen war. Der zuvorkommenden Liebe Gottes bedürfen alle, die Sünder und auch alle, die sich für anständig halten. Verlorengehen kann man nämlich als Sünder und als Anständiger. Nicht verloren gehen hat damit zu tun, wie sehr einer der Liebe Gottes traut.

Stefan Notz

3. Fastensonntag

Die Botschaft Jesu ist eine gute Nachricht. Gott ist wie der Gärtner bzw. der Winzer im Evangelium(Lk13, 1-9). Einerseits geht es um die Ernsthaftigkeit eines Lebens aus dem Geist der Heiligen Taufe. Es geht darum Früchte zu bringen, also nicht fruchtlos zu leben als Mensch und Christi. Im Sinn des  Evangeliums wächst Gutes  aus der Liebe zu Gott und den Mitmenschen. In der Fastenzeit ist damit  der Umkehrgedanke angesprochen. Andererseits zeigt der Umgang des Winzers mit dem Feigenbaum, der auch nach Jahren noch keine Frucht getragen hat, die Geduld und das Erbarmen Gottes. Sie kommt in der Bitte des Gärtners an den Grundbesitzer zum Ausdruck: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden umgraben und düngen…“. Der Feigenbaum wird nicht umgehauen, sondern bekommt eine Chance. Hoffnung kommt auf. Für mich zeigt sich im Gärtner bzw. im Winzer der Gott, den Jesus seinen Vater nennt. Gott bemüht sich um mich. Er gibt mir eine neue Chance. Er gibt die Hoffnung für mich nicht auf. Er will mich zum Blühen bringen und beim Früchtebringen helfen. Ich muss es nur zulassen und darf diese Hilfe von Gott annehmen.

Propst Stefan Notz

2. Fastensonntag

Jedes Jahr wird am zweiten Fastensonntag das Evangelium von der Verklärung Christi verkündet (Lk 9,28b-36). Jesus kündigt sein Leiden und Sterben an und spricht mit Moses und Elija über sein „Ende“, das sich in Jerusalem erfüllen soll. Der Ausdruck „Ende“ lässt offen, ob hier an den Kreuzestod Jesu zu denken ist oder an seine Vollendung in der Auferstehung. Die Verklärung geschieht, während Jesus betet. „Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.“  Der Evangelist Lukas beschreibt Jesus immer wieder als Beter. Jesus sucht Momente der Einkehr und des Gebetes, um aus der tiefen Verbindung mit seinem himmlischen Vater die Kraft für seine Sendung zu schöpfen. Das Evangelium von der Verklärung Jesu  hat einen festen Platz in der österlichen Bußzeit. Ich lese es  als Einladung dem Gebet einen Platz im Alltag zu geben. Ohne Einkehr und Gebet droht jeder Einsatz in Nächstenliebe und Nachfolge Jesu zum Aktionismus zu werden. Geistliches Leben braucht Atemluft, um fruchtbar sein zu können. Das Gebet, das sich nicht zurückzieht aus der Welt und sich nicht absondert von ihren Widersprüchen, gibt Atemluft und führt ins Handeln. Die drei Hütten, die Petrus bauen möchte, würden ein Bleiben auf der Höhe des Tabor bedeuten. Jesu Sendung aber  führt in die Talebene der Widrigkeiten und der Widersprüchlichkeiten des Lebens in Kirche und Welt. Dieser Weg mit Jesus Christus ist also vorgezeichnet. Er führt durch das Dunkel der Niederungen und des Todes in diesem Leben. Ich bin sicher, dass er mit uns geht und an unserer Seite bleiben wird. Nur so bleibt die Freude des Glaubens in uns. Sie ist immer Vorfreude auf Ostern.

Stefan Notz

1. Fastensonntag

Nach seiner Taufe durch Johannes geht Jesus vierzig Tage in die Wüste. Man wird erinnert an das Volk Israel, das 40 Jahre unterwegs war durch die Wüste auf dem Weg in das gelobte Land. Für Israel wie für Jesus war es eine Zeit der Prüfung und der Versuchung. Worin besteht die Versuchung? Ich finde einen hilfreichen Gedanken dazu bei Papst Benedikt XVI. Er hat in seinem Jesus-Buch (Band1, Freiburg 2007) dazu geschrieben:  “Der Kern aller Versuchung - das wird hier sichtbar - ist das Beiseiteschieben Gottes, der neben allem vordringlich Erscheinenden unseres Lebens als zweitrangig, wenn nicht überflüssig und störend empfunden wird. Die Welt aus Eigenem, ohne Gott, in Ordnung zu bringen, auf das Eigene zu bauen, nur die politischen und materiellen Realitäten als Wirklichkeit anzuerkennen und Gott als Illusion beiseitezulassen, das ist die Versuchung, die uns in vielerlei Gestalten bedroht. Zum Wesen der Versuchung gehört ihre moralische Gebärde: Sie lädt uns gar nicht direkt zum Bösen ein, das wäre zu plump. Sie gibt vor, das Bessere zu zeigen: die Illusionen endlich beiseitezulassen und uns tatkräftig der Verbesserung der Welt zuzuwenden. Sie tritt zudem unter dem Anspruch des wahren Realismus auf: Das Reale ist das Vorkommende - Macht und Brot; die Dinge Gottes erscheinen demgegenüber als irreal, eine Sekundärwelt, derer es eigentlich nicht bedarf.”  Die Gedanken von Papst Benedikt geben mir Stoff zum Nachdenken und Beten.  Wovon lebe ich? Vor wem gehe ich in die Knie? Kann ich mich Gott überlassen? Ich wünsche uns allen eine vorösterliche Bußzeit, die uns erkennen lässt, von welchem “Brot” wir leben.

Stefan Notz

8. Sonntag im Jahreskreis

Einen guten Baum erkennt man an seinen Früchten. Das Bild vom guten Baum wählt Jesus im Sonntagsevangelium (Lk 6,44) für alle, die in seine Schule bzw. Jüngerschaft eintreten.  Wer in die Schule des Lehrers Jesus geht, wird sich sein Leben lang prüfen, ob er gute Früchte im Sinne Jesu bringt. Die alttestamentliche Lesung des Toragelehrten  Ben Sira (Sir 27,4-7) legt bei solcher Prüfung das Augenmerk auf die Menschenkenntnis. Drei Bilder sprechen davon.  Das erste ist das Bild eines Siebes. Um nach dem Dreschen und Worfeln des Getreides möglichst  Körner ohne Verunreinigung zu erhalten, bedarf es eines Siebes. Unrat, Stroh und Häcksel blieben darin hängen, während die Körner durchfallen. Das Sieb entspricht dem menschlichen Erwägen und Überlegen, durch das erst die Fehler eines Menschen sichtbar werden. Das zweite Bild ist der Brennofen. Die Hitze des Töpferofens bringt die Qualität eines Tongefäßes ans Licht. Durch Luftbläschen wird das Gefäß beim Brennen gesprengt und geht kaputt. Erst im Gespräch mit einem Menschen, so deute ich dieses Bild, erweist sich sein Charakter. Das dritte Bild der Schriftlesung ist der Baum. Wie der Baum einen guten Boden braucht um gute Frucht zu tragen, braucht der Mensch eine gute innere Haltung. Aus dem Herzen kommen die Gedanken und disponieren das Handeln. Die Bibel speichert menschliche Erfahrung und Weisheit. Das schenkt Orientierung auch in unserer heutigen Lebenswelt. Jesus selbst bringt es im Lukasevangelium auf den Punkt: „Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und der böse Mensch bringt aus dem bösen Herzen das Böse hervor. Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Propst Stefan Notz

7. Sonntag im Jahreskreis

„Euch, die ihr mir zuhört, sage ich das Geheimnis der Güte (vgl. Lk 6, 27). So beginnt Jesus die Rede an seine Jünger. Von welcher Güte spricht Jesus? Ich denke, es geht um das Gutsein Gottes, um seine Liebe und Barmherzigkeit. Gott rechnet und kalkuliert nicht. „Wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Lohn erwartet ihr dafür?“ Berechnung ist nicht die Sache Jesu und noch weniger sind es berechnende Menschen. „Euch, die ihr mir zuhört, sage ich es“, sagt Jesus und adressiert damit alle, die ein Ohr für ihn haben. Denn begreifen kann das Geheimnis einer nicht berechnenden Liebe nur, wer ganz Ohr ist für das, was Jesus in der Kraft Gottes zu sagen hat. Seine Botschaft lautet kurz gefasst: Gott ist barmherzig. Er ist Dir gut, auch wenn Du undankbar und böse warst. Er wendet sich nicht ab und zahlt nicht heim. Er verharmlost nicht. Am Ende wird er bereinigen, was nicht gestimmt hat zwischen Dir und ihm. Er steht zu Dir, weil er barmherzig ist. Das ist, wie ich finde, eine gute, eine frohe Botschaft. Ich glaube, dass wahr ist, was Jesus von Gott sagt. Weil Gott mit mir barmherzig ist, kann ich Barmherzigkeit und Güte zeigen, auch wenn es mir oft nicht wirklich gelingt. In der Liebe, die nicht rechnet, liegt eine Glaubenskraft, von der ich öfter Gebrauch machen sollte. Die neue Woche gibt dazu wieder viele Möglichkeiten.

Stefan Notz

6. Sonntag im Jahreskreis

Zu den bekannteren biblischen Texten gehört die Bergpredigt. So heißt diese berühmte Rede Jesu im Matthäusevangelium. Was bei Matthäus Bergpredigt heißt, wird bei Lukas  Feldrede genannt. Lukas platziert Jesus für seine Rede aber nicht oben auf den Berg. Es heißt: Er steigt vom Berg herab. Lukas wählt keinen herausragenden Platz für Jesus, sondern Jesus  steigt in die Niederungen herab zu denen, die arm, krank oder hungrig sind. „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“. Der Evangelist erklärt Armut damit keineswegs zum Ideal. Das Lukasevangelium fordert von Anfang  bis Ende eine Sorge um die Armen, die das erklärte Ziel hat, Armut aufzuheben. Lukas war der Legende nach Arzt, also gebildet und begütert. Und auch die Leute, für die er sein Evangelium niedergeschrieben hat, waren in der Mehrzahl keine Armen mehr, sondern gut situierte Bürgerinnen und Bürger. Umso mehr bekommt das Loslassen Gewicht. Denn die Seligpreisung der Armen ist die christliche Fassung der Wahrheit vom Freisein durch Loslassen. Das Verhältnis zum Besitz ist für den Evangelisten Lukas ein Testfall des Glaubens.  Die Menschen, die viel haben, neigen dazu mehr haben zu wollen. Je reicher sie sich vorkommen, desto deutlicher steht ihnen vor Augen, was ihnen eigentlich noch alles fehlt. Die Frage ist daher: woran machst Du  Dein Glück fest? Jesus verstehe ich so: Selig bist Du, Mensch, wenn Du begreifst, dass Du arm bist, auch wenn Du etwas, ja sogar, wenn Du viel hast. Denn Besitz sagt nichts über das Leben, und schon gar nicht darüber, wie es glücken wird. Das, was Glück begründet, ist das Vertrauen, dass es gut werden wird mit Dir, weil Du über dein Leben nicht verfügen kannst – egal ob vermögend oder nicht. Glaube bedeutet mit Gott im rechten Verhältnis stehen, dass die Dinge ins Lot kommen und im Lot sind zwischen ihm und uns. Jesus nennt das Reich Gottes. Es gehört denen, die anerkennen, dass sie arm sind, auch wenn sie reich wären. Weil sie nichts haben müssen, sind sie frei. Und darum sind sie selig. Das Evangelium möchte, dass wir Grund haben, das auch von uns zu sagen.

Stefan Notz

5. Sonntag im Jahreskreis

Der reiche Fischfang (Lk 5,1-11) ist eine Geschichte vom Segen der Gemeinschaft mit Jesus. Mit leeren Netzen kehren die Fischer am frühen Morgen zurück ans Ufer des Sees. Die berufserfahrenen Fischer, Simon und die anderen Jünger Jesu, werfen ihre Netze auf Jesu Wort hin noch einmal aus. Sie lassen ihre berufliche Erfahrung, aber auch ihren Frust über die vergebliche Arbeit und Mühe der Nacht einfach hinter sich. Sie lassen sich auf Jesus ein. Ein Wagnis ist das. Bildlich gesprochen vertraut Simon Petrus jetzt einem neuen Netz, dem Beziehungsnetz zu Jesus. Das erweist sich als tragfähiger und ertragreicher als sein bisheriges Fanggerät, das Fischernetz. Petrus lässt das Alte los und ergreift Jesu Wort. Das bringt Dynamik in sein Leben: „Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen.“ Ein anderes Netz trägt Petrus, das Netz zwischenmenschlicher Beziehungen. Jesus hat Petrus das Seil zugeworfen. Der hat es aufgefangen. Erschrocken über den großen und unerwarteten Erfolg, wirft Petrus sich nieder vor Jesus: „Geh` weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!“ Weil Petrus Jesu Wort traute und weil er sich als Sünder bekannte, darf er unmittelbar aus Jesu Mund hören: „Fürchte dich nicht!“. Das ist eine Vergebungszusage. Der österliche Jesus wird später mit genau diesen Worten die Jüngerinnen und Jünger ansprechen, die sich voller Angst verbarrikadiert haben, und sie zu einem missionarischen Osterglauben befreien. Das Evangelium, so denke ich, leistet an diesem Sonntag eine Art Erinnerungsarbeit, das Beziehungsnetz Jesu wieder zu entdecken und wie Petrus auf Jesu Wort hin das Wagnis des Glaubens einzugehen.

Stefan Notz, Propst

Darstellung des Herrn

Der Bischof und Märtyrer Blasius von Sebaste (Märtyrer um 316) wird zu den sogenannten Nothelfern gezählt. Blasius wurde ins Gefängnis gesperrt auf Grund seines Glaubens an Jesus Christus. In der Haft, so wird erzählt, habe er ein halskrankes Kind gesegnet und gerettet. Der Blasiussegen erinnert daran und bittet um Gesundheit an Leib und Seele. Der Gedenktag des Heiligen Blasius (3.2.)  liegt benachbart zum 2. Februar, dem Fest Mariä Lichtmess. Zu Lichtmess werden Kerzen gesegnet, auch die Kerzen mit denen der Blasiussegen gespendet wird. Ich denke, dass die Kerzen und der Blasiussegen etwas Wesentliches für unser Leben aussagen können. Mit Jesus Christus kam das Licht in die Welt (Weihnachten). Das Licht von Weihnachten entlässt mich  in den Alltag mit der Aufgabe alle Lebensbereiche von diesem Licht erhellen zu lassen, meine Arbeit, das Leben in der Familie, das Miteinander im Gottesdienst und unser politisches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden, für die Schöpfung und sehr dringend für Demokratie und Menschenrechte. Das Fest Mariä Lichtmess und der Blasiussegen sollen  auch heute die Welt in uns und um uns  herum mit dem Licht der Liebe erfüllen, damit alle Menschen das Heil sehen, dass die tiefste Sehnsucht erfüllt. Das Bistum Münster hat im Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa und auch in Deutschland eine Demokratie- Kampagne gestartet mit einem wunderbaren Motto: Lebe Freiheit. Ich wünsche allen eine lebendige und lichterfüllte Woche.

Stefan Notz

3. Sonntag im Jahreskreis

In jeder Eucharistiefeier und jeder Wort-Gottes-Feier wird uns „der Tisch des Gotteswortes bereitet“. Christus selbst spricht zu uns im Wort der Heiligen Schrift. Papst Franziskus hat den dritten Sonntag des Jahreskreises zum Sonntag des Wortes Gottes erklärt. Es ist ein besonderer Tag des Dankes für die  „Schatzkammer der Bibel“, die allen Christinnen und Christen geschenkt ist und die Kirchen aller Konfessionen miteinander verbindet. An diesem Sonntag erzählen die Lesungen von der Vorlesepraxis in biblischen Zeiten. Im alttestamentlichen Buch Nehemia wird der Priester Esra vorgestellt, der dem Volk aus der Tora vorliest: „Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung. (…) Man las aus Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.“ (Neh 8, 3.6)  Von Jesus erzählt der Evangelist Lukas, dass er in der heimatlichen Synagoge in Nazareth die Buchrolle nimmt, um vorzulesen. Jesus endet seine Lesung aus dem Propheten Jesaja mit den Worten: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ (Lk 4, 17.21) Lukas sowie Esra und Nehemia deuten im Licht ihres Glaubens die Erfahrungen ihrer Zeit und fragen, wie sich die Geschichte Gottes mit den Menschen darin fortsetzt. Sie sind eng miteinander verbunden in der Suche danach, wie die Schrift heute gelesen werden und wie sie sich heute erfüllen kann. Ich wünsche uns segensreiche Erfahrungen im Lesen, Hören und Bedenken des Wortes Gottes in  der Schatzkammer der Bibel.

Stefan Notz

2. Sonntag im Jahreskreis

Die Geschichte von der Hochzeit in Kana  (Joh 2,1-11) ist mir schon als Kind begegnet  in Gestalt der Texte und anschaulichen Bilder des niederländischen Kinderbuch-Autors Kees de Kort. Die Hochzeit, auf der Jesus und seine Mutter Maria zu Gast sind, ist eine Erzählung über das erste Wunder Jesu. Die Geschichte zeigt, dass Jesus auch die Freuden des menschlichen Lebens teilt, man kann sie aber auch anders lesen, nämlich als eine Art Gleichnis, als eine Geschichte, die nicht so sehr erzählt, was einmal war, sondern was einmal sein wird. Jesus wandelt Wasser zu Wein. Der Speisemeister weiß nicht, woher der Wein kommt (vgl. Vers 9). Damit spricht dieser Mann eine tiefe Wahrheit aus, denn für uns Menschen ist Gottes Handeln nicht zu verstehen. Wie kann aus Wasser Wein werden? Wie kann Gott Mensch werden? Das bleibt uns ein Geheimnis. In der Kinderbibel von Kees de Kort heißt es am Ende der Geschichte: „Alle sind fröhlich. Jesus freut sich mit. Die Jünger sehen: Wenn Jesus kommt, wird das Leben zum Fest. Gott selbst lädt die Menschen an seinen Tisch. Alle Tränen sollen getrocknet werden. Gott hat die Menschen lieb“. Für mich ist das die Frohe Botschaft des  Sonntags: Mit Jesu Kommen ist die Heilszeit angebrochen, und zwar so, dass wir das spüren können. In seinem Handeln, konkret in der Verwandlung von Wasser zu Wein, zeigt uns Jesus einen Schimmer der Schönheit, die kommen wird. Wenn wir diesem Jesus nachfolgen, führt das in ein erfülltes, freudvolles Leben. Wir geben unser Wasser des Alltäglichen. Er kann es verwandeln in kostbaren Wein. So wie im Lied im Gotteslob Nr. 748: „Du bist das Brot, das den Hunger stillt, du bist der Wein, der die Krüge füllt. Du bist das Leben.“

Stefan Notz

Taufe des Herrn

Das Fest der Taufe des Herrn beschließt in der katholischen Liturgie den Weihnachtsfestkreis. „Während Jesus betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Das Gefallen Gottes bezieht sich sicher nicht auf das Aussehen dieses Jesus, nicht auf sein Äußeres, sondern auf das Innere seiner Person. Gott findet Gefallen an dem, was Jesus tut und wie er ist. Bei unserer eigenen Taufe wurde es uns persönlich zugesprochen: Du bist ein geliebtes Kind Gottes, seine geliebte Tochter, sein geliebter Sohn. Das Gefallen Gottes ist uns geschenkt, auch wenn wir als getaufte Christinnen und Christen nicht konsequent das tun, was Jesus tut und nicht  durchgängig mit unserem Verhalten zeigen wie Jesus ist. Jesus stellt sich am Jordan solidarisch in die Reihe der Sünder. Die christliche Taufe wird mit Wasser vollzogen. Es ist aber Christus selbst, der tauft. Er tauft mit Feuer und mit Heiligen Geist. Ein Bildwort ist das für eine starke Kraft. Ich wünsche Ihnen Kraft für die neue Woche und Glaubenskraft in dieser Zeit.

2. Sonntag nach Weihnachten

Gott schenkt Zukunft. So deute ich das Wort des Apostels Paulus. Er schreibt an die Gemeinde in Ephesus: „Er (der Gott Jesu Christi) erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch Christus berufen seid.“ vgl. Eph 1,18 Wer mit den Augen des Herzens sieht, erkennt im Kind in der Krippe den verborgenen Gott. Gott offenbart sich, er macht sich sichtbar und berührbar in Jesus. Jesus ist, wie es der Anfang des Johannesevangeliums sagt, das „fleischgewordene Wort“. Gott spricht sich aus im Menschen und zwar in diesem konkreten Menschen Jesus von Nazaret. Das gibt der Welt Hoffnung. Zu Weihnachten haben wir uns beschenken lassen. In den Geschenken haben wir uns gegenseitig unser Wohlwollen ausgedrückt. Zuvor schon sind wir von Gott mit Wohlwollen beschenkt worden. Liebe entfaltet sich im Empfangen und im Geben. Wie Kinder durch die Liebe, die sie empfangen, lernen, was Liebe bedeutet, und selbst in der Liebe wachsen und fähig werden zu lieben, so lernen wir als Kinder Gottes aus der Liebe Gottes und werden wir befähigt, die Liebe Gottes weiterzugeben. Die Hirten, die zur Krippe kommen, erfahren es  und ebenso die heiligen drei Könige. Sie schenken und werden beschenkt. Die heiligen drei Könige kehren verändert nach Hause zurück. Die Begegnung mit Jesus hat sie verändert. Im Sonntagsevangelium wird es so gesagt: „Allen, die ihn aufnehmen, empfangen die Bevollmächtigung der Kinder Gottes.“ Jede und jeder von uns ist bevollmächtigt Gottes Liebe weiter zu schenken. Das ist Hoffnung für unsere Welt. Ich wünsche Ihnen weihnachtliche Hoffnungskraft.

Stefan Notz

4. Adventssonntag

Wie immer ist für uns Menschen der Anfang von etwas für das Ganze entscheidend. Weihnachten ist der Anfang. Im Kind von Betlehem macht Gott einen neuen Anfang mit uns. Der verborgene Gott macht sich für uns berührbar als Mensch unter Menschen. Ich kann Gott – wie einem Kind  - mit Herzlichkeit begegnen. Wir feiern Weihnachten in einer Zeit großer Umbrüche und Unsicherheiten im Blick auf die Zukunft unseres Planeten sowie auf das Zusammenleben der Menschen und auch im Blick auf das Christentum in Europa. Umso mehr staune ich, dass der Unendliche, der Allmächtige, sich in die schutzlose Vergänglichkeit und Zufälligkeit menschlicher Geschichte begibt. Gott kommt zur Welt. Die Geschichte der Welt und wir darin gehören schon ihm. Getröstet darf leben, wer Weihnachten für wahr nimmt. Den Trost der Heiligen Weihnacht wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen im Namen aller Seelsorgenden unserer Propsteigemeinde St. Viktor.  

Stefan Notz, Propst

3. Adventssonntag

Im Lukasevangelium spricht Johannes der Täufer: „Er (Jesus Christus) wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3, 16)  Heiliger Geist und Feuer, das klingt kurz vor Weihnachten schon sehr pfingstlich. Schon bei unserer Taufe und der Hl. Firmung wurden wir mit dem Heiligen Geist beschenkt. Heiliger Geist und Feuer bedeuten eine Dynamik, in die ich mich hineinstellen kann und die mich mitreißen kann. Für den Täufer Johannes bedeutete das konkret: teilen, maßhalten in allen Dingen und gerecht handeln. So berichtet es das Sonntagsevangelium. Der Apostel  Paulus sagt es so (vgl. Phil 4,4): Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Wenn das in den Lebensalltag übersetzt werden kann, entsteht eben jene  Freude, von der am Sonntag der Freude (Gaudete = Freut euch) die Rede ist. Mit dem Täufer Johannes blicke ich auf Jesus, der seine Kirche in unserer Zeit motivieren will mit seinem Geist und mit seinem Feuer den Glauben zu leben.

Stefan Notz

 

2. Adventssonntag

Der 8. Dezember wird in der Kirche im allgemeinen als Fest  „Mariä Empfängnis“ bezeichnet. Offiziell heißt es: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Die Gottesdienstordnung räumt dem Advent allerdings den Vorrang ein. Deshalb wird das Hochfest der Gottesmutter in diesem Jahr auf den Montag verschoben.  Maria wird vom Engel Gabriel aufgesucht. Die Botschaft lautet: Du bist voll der Gnade. Du sollst schwanger werden und einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Viele Menschen tragen ihre Sorgen und ihre Lebenslast zu Maria. In unserem St. Viktor Dom werden beim Marienbild täglich Kerzen angezündet in den Anliegen der Beterinnen und Beter. Wer, wie Maria, zutiefst in Gott verwurzelt ist, der kann anderen Menschen Heimat geben, Heimat bei Gott. Der 8. Dezember, Fest Marias, ohne Erbsünde empfangen, ist das Fest des neuen Anfangs, den Gott mit uns Menschen macht. Für mich ist dieses Fest eine Quelle der Hoffnung. Gott lässt uns nicht allein. Er kommt uns entgegen.

1. Adventssonntag

„Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn es naht eure Erlösung“. (Lk21,28) Jedes Jahr bedeutet die Adventszeit einen Einschnitt, um innezuhalten und zu bedenken, was uns trägt und hält, was unserem Leben Sinn und Richtung gibt. Die biblischen Lesungen sprechen vom „Ende der Welt“. Diese Redeweise erinnert daran, dass die scheinbar sicheren Ordnungen, auf die wir uns meistens verlassen, vergänglich sind.  Der Theologe Tomàs Halík schreibt: „Die Erfahrung einer Zeit, in der Gott nicht anwesend zu sein scheint, fordert heraus, neu und radikaler die Nähe Gottes zu entdecken und die »falsche Nähe« beziehungsweise die »Nähe der falschen Götter« zu demaskieren. Die göttliche Nähe Gottes zu entdecken - oder überhaupt nach ihr zu fragen - setzt jedoch voraus, mit vollem Ernst seine Verborgenheit, seine Distanz am eigenen Leib zu verspüren. Ohne diese Erfahrung könnten wir den Gott des christlichen Glaubens leicht mit einem jener banalen Götzen verwechseln, von denen die Auslagen und Stände der religiösen Anbieter heute voll sind.“  Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Advent 2024.

Stefan Notz