
Auf der Flucht vor der Aufgabe
gestrandet.
Einer aufgebrachten Mannschaft
ausgeliefert.
In die Tiefe des Meeres
geworfen.
Von einem Wal
verschluckt.
Wie im Uterus
geborgen.
Wie ein Embryo
umhüllt.
Wie aus dem Geburtskanal ans Licht
geholt.
Wie ein winzig Neugeborenes
angeschaut.
An das Gestade des Meeres
gespült.
Auf neuem Grund mit neuem Grund sich
aufgerichtet.
Mit Hoffnung auf den Weg
gemacht.
Sich der Lebensaufgabe
gestellt.
Jona.
Du
und
ich.
Klaus Honermann

Einheit – das Herzensanliegen Jesu.
Einheit in Verschiedenheit.
Keine Uniformität und Gleichmacherei.
Lebensprinzip Gottes, das auf die Erde kam.
Keine innerkirchliche Angelegenheit –
wenn auch da zu allererst nötig.
Kein Nachgeben harmoniesüchtiger und
konfliktscheuer Menschen.
Ergebnis einer intensiven Suche:
Zuzuhören, zu verstehen,
Brücken zu bauen, Gegensätze abzubauen,
die Werte des anderen ans Licht zu heben,
das Verbindende zu unterstreichen.
Geschenk, das aufleben lässt.
Klaus Honermann

Gott, du willst uns und deiner Kirche
Zukunft und Hoffnung geben.
Du wirst nicht müde,
uns in diesen Zeiten Menschen zu schicken,
welche die Wahrheit auch in unbequemen Worten sprechen.
Du wirst nicht müde,
uns den Sturm der Zeit um die Ohren wehen zu lassen.
Er zwingt uns, festgefahrene Wege zu verlassen.
Du wirst nicht müde,
uns an dein Wort des Friedens zu erinnern.
Es nimmt nicht das Leid, doch es schenkt Neuanfang.
Zukunft und Hoffnung schenkst du uns
auf dem steinigen Weg
bergab in die Tiefen unserer Menschlichkeit,
wo wir einander Gemeinschaft stiften.
Deine Zukunft und Hoffnung werden in uns wohnen
und uns auf deine Verheißung hin befreien.
Mit dir und auf dich hin sind wir unterwegs als
Pilger der Hoffnung.
Klaus Honermann

Luftig leicht
kleidet sich der Baum
Blüte an Blüte
in ein weißes Kleid.
Kein Brautkleid
könnte schöner sein
als dieser Traum von Frühling
voller Lebendigkeit.
Bienen und Hummeln
tummeln sich trunken
von Nektar
in der Blütenpracht.
Kurze Zeit nur
währt die Fülle
für Augen und Sinne
dem, der sie wahrnimmt.
Über allem blaut
Himmel
in makelloser Pracht
über dem Duft der Blütenträume.
Der Traum lichten Lebens
widerspricht gewaltfrei
den Trümmern und Toden
und allem Toben.
Leben kann
schön sein.
Nur Leben kann
schön sein.
Klaus Honermann

Gott, du Freund des Lebens, du unsere Hoffnung!
Dein Sohn Jesus Christus ist immer wieder aufgebrochen,
um vielen Menschen die frohe Botschaft zu verkünden:
Du bist ein Gott der Barmherzigkeit und der Treue;
mit Dir können wir glauben, hoffen und lieben.
Der Weg in die Zukunft aber
ist oft wolkenverhangen und unsicher.
Deshalb suchen zu allen Zeiten
Menschen als Pilger Sinn und Ziel ihres Lebens.
Als Christen dürfen wir hoffen:
Du bist mit uns auf dem Weg.
In diesem Heiligen Jahr schließen wir uns
dem Pilgerweg der Hoffnung an
und bitten Dich um Stärkung, Vergebung und Segen.
„Lass uns in Deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.
Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr,
heute von vorn zu beginnen.“ (Gl 446,3)
27011945
vor 80 Jahren
Befreiung von Ausschwitz
58000 auf dem Todesmarsch
7600 Überlebende
650 Leichen
843000 Herrenanzüge
937000 Damenmäntel
44000 Paar Schuhe
7,7 Tonnen menschliches Haar
Zahlen
Todeszahlen
eintätowiert auf die Arme
Doch es waren
MENSCHEN
mit Namen
MENSCHEN
mit ihren Geschichten
MENSCHEN
mit Verwandten und Freunden
MENSCHEN
mit Freuden, Leiden und Hoffnungen
MENSCHEN
wie Du und ich
Du und ich
wir waren nie
Zahlen
wir waren nie
in der Hölle der
Zahlen
wir waren nie
in der Hölle von
Auschwitz
vor 80 Jahren
nie wieder
Menschen
als
Zahlen
Klaus Honermann

Herr, mache DU mich zu einem Werkzeug Deines Friedens:
dass ich schweigen kann, wo jedes Wort zu viel wäre,
dass ich weinen kann, wo Verhärtung lähmt,
dass ich ein klares Wort sage, wo es Not tut,
dass ich die Hoffnung nicht aufgebe, wo nichts mehr geht,
dass ich Brücken baue, wo Gräben aufgerissen werden,
dass ich Vertrauen investiere, wo Misstrauen blockiert,
dass ich glauben kann, wo Zweifel mich überfluten.
Lass mich dankbar sein für gütige Menschen:
vom kleinsten Kind bis zum prophetischen Papst.
Herr, mache DU mich zu einem Werkzeug Deines Friedens
durch Deinen Geist, der eingegossen ist in unsere Herzen!
Klaus Honermann

Vater im Himmel
Du hast Maria gesegnet vor allen Frauen.
In ihr leuchtet die Morgenröte der Erlösung
und deines Friedens auf.
Sie hat uns Christus geboren,
die Sonne der Gerechtigkeit,
den König des Friedens.
Du hast sie mit ihrer ganzen Wirklichkeit
in den Himmel aufgenommen
und uns so
ein Zeichen der Hoffnung geschenkt.
Wir danken Dir dafür.
Maria,
deine Heimat ist Gott selbst –
und nichts anderes.
Du hast Jesus in deinem Herzen den Himmel bereitet –
und so hat er dich in seinen Himmel aufgenommen.
Begleite uns, dass auch wir
unsere Heimat in Gott haben
und so erst recht geerdet sind
in Freud und Leid, für Zeit und Ewigkeit.
Amen.
Klaus Honermann

Anna
Mutter
Mutter Anna
Großmutter
Liebende Oma
Du Tragende
und Begleitende
zu Wegbereiterin
für Leben:
Wir wenden uns
an Dich
mit allen Müttern
dieser Erde
die Sorge tragen
dass das Leben
in der Familie gelinge.
Wir wenden uns
an Dich
mit der Sorge um die
„Mutter Kirche“
dass sie weiterhin fähig sei
in unserem Land
Leben des Evangeliums
hervor zu bringen.

Christophorus
als kind wollte ich
christophorus sein
groß und stark
und ohne furcht
vor gott und teufel
aber daraus wurde nichts
andere waren größer und stärker
und angst hatte ich auch –
menschenangst – gottesangst
wenn ich ihm heute begegne
dem starken
wie er auf den schultern
das kind trägt von ufer zu ufer
den stab in der hand
die füße im wasser
dann fallen mir menschen ein
denen ich begleiter sein darf
oder die mich begleiten
durch den wildbach leben
doch das andere ufer
liegt vorerst noch
im gott-schatten
Wilhelm Brunners
Lebendiger Gott. Unser Leben ist wie ein Weg mit vielen Begegnungen: es sind schöne und auch welche voller Risiko. Wir brauchen gute Wegbegleiter. Christophorus - der Christusträger - ist einer von ihnen. Er hat seine Rolle im Leben gefunden, als er Dich fand. Lass uns gemeinsam vorankommen auf dem Weg, auf den Du uns miteinander gestellt hast. Amen.

Gitter und Fenster
werfen Widerschein
auf den Boden des Domes.
Blutrot
leuchtet dem Betrachter entgegen;
erinnert an Mut und Martyrium
der Zeugen eines Lebens,
das nicht bezwingbar
war und bleibt.
Nicht alle
kommen hinter Gitter.
Die Herausforderung bleibt
mehr denn je:
Hinweis zu geben
auf den
LEBENDIGEN.